Stärker im Miteinander



Früh erkannten die Nachbarschaftsheime den großen Wert von Vernetzung, Erfahrungsaustausch und gegenseitiger Unterstützung. Angesichts wachsender organisatorischer Herausforderungen begannen sie, sich zunächst in kleineren Verbünden zusammenzuschließen – ein erster Schritt auf dem Weg zu einer gemeinsamen Bewegung. 

Bild (links): Deckblatt von „Unter einem Dach“, Ausgabe 1950 (Quelle: Mittelhof e.V.)

Die erste Konferenz der Quäker Nachbarschaftsheime in Deutschland fand im November 1947 statt. Vertreten waren die Häuser aus Darmstadt, Frankfurt, Ludwigshafen, Köln, Wuppertal, Braunschweig sowie der Mittelhof in Berlin. Die Konferenz ermöglichte ein persönliches Kennenlernen der Leitungen und einen intensiven Austausch über aktuelle Programm-, Personal- und Rechtsfragen. Schnell wurde deutlich, dass viele grundlegende Themen alle Nachbarschaftsheime gleichermaßen betrafen.

Deutlich spürbar war der Wunsch nach einem kontinuierlichen Austausch. Daraus entstand das Mitteilungsblättchen „Unter einem Dach“ (bis 1949 unter dem Titel „Mittelungen“), das zunächst auf Deutsch und ab Ausgabe 9 teilweise auch auf Englisch erschien. In regelmäßigen Abständen berichteten die Häuser dort über ihre Arbeit. Beiträge kamen aus allen Quäker-Nachbarschaftsheimen ebenso aus studentischen Heimen in Freiburg, München und Göttingen. Die Hefte richteten sich vor allem an die Mitarbeitenden der Einrichtungen und entwickelten sich zu einem wichtigen Medium der jungen Bewegung.

Parallel dazu vernetzten sich ab 1948 auch die Häuser in West-Berlin – in Kreuzberg, Neukölln, Steglitz, Charlottenburg, Schöneberg und Zehlendorf – in der Arbeitsgemeinschaft Berliner Nachbarschaftsheime, um sich gemeinsam den bestehenden Herausforderungen zu stellen. Der Mittelhof in Zehlendorf nahm dabei eine besondere Rolle ein: Durch seine Zugehörigkeit zu beiden Gruppen wurde er zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den Berliner Häusern und den Einrichtungen in den westdeutschen Besatzungszonen.


Die Karte zeigt westdeutsche Städte in denen Nachbarschaftsbewegungen 
Ende der 1940er Jahre aktiv waren. Aus diesen Bewegungen entstanden 
teilweise Nachbarschaftsheime, darunter die zwölf Gründungsmitglieder des 
Verbandes Deutscher Nachbarschaftsheime e.V. und davon alleine sechs in Berlin. 


Gleichzeitig beschäftigte viele Verantwortliche die Zukunftsaussichten der Häuser. Vor allem personelle und finanzielle Fragen standen im Mittelpunkt: Wie lange würde das internationale Personal bleiben? Wann würden deutsche Mitarbeitende die Leitung übernehmen? Was würde geschehen, wenn die Spendengelder der Quäker zurückgingen? 

Auf einer gemeinsamen Konferenz der Quäker Nachbarschaftsheime und der Berliner Arbeitsgemeinschaft im Juli 1951 wurde deutlich, dass die Arbeit der Häuser eine breitere Öffentlichkeit erreichen musste, um zusätzliche finanzielle Unterstützung aus Deutschland zu gewinnen. Diese Aufgabe ließ sich von den einzelnen Häusern alleine kaum bewältigen. Eine überregionale Vereinigung erschien notwendig, um Verbände, Betriebe und andere Institutionen gezielt ansprechen zu können. Gleichzeitig wurde diskutiert, inwieweit eine formale Vereinsstruktur die Flexibilität der Häuser einschränken könnte, oder ob sie im Gegenteil eine gemeinsame und wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit ermöglichen würde.

Am 20. September 1951 war es schließlich so weit:
Im Nachbarschaftsheim Mittelhof in Berlin gründeten zwölf Einrichtungen den Verband Deutscher Nachbarschaftsheime e.V. (VDN). Er entstand aus dem Zusammenschluss der Berliner Arbeitsgemeinschaft mit der Deutschen Konferenz der Quäker-Nachbarschaftsheime und bildet den unmittelbaren Vorläufer des heutigen Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit e.V. (VskA).

An der Gründungsversammlung nahmen auch internationale Gäste teil, darunter Miss Lillie Peck, Präsidentin der International Federation of Settlements (IFS), sowie Lea Taylor, Präsidentin der National Federation of Settlements (NFS).


„Der Verband hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Nachbarschaftsheime in Deutschland zu fördern, sich für 
die Entwicklung der bestehenden Heime und die Gründung neuer Heime einzusetzen, den Erfahrungsaustausch 
der deutschen Heime untereinander sowie deren Verbindung mit gleichgerichteten Organisationen 
im In- und Ausland zu pflegen.“


Auszug der Pressenotiz - betr.: Gründung des "Verbandes Deutscher Nachbarschaftsheime (e.V.), September 1951


Eine schwarzweiß Skizze: Eine Mumie verbident mit ihrer Binde 12 stilisierte Häuschen. Oben der Schriftzug in Handschrift: Man war in Berlin um die Nachbarschaftsheime zu verbinden.


Presseberichte zur Gründung des 
Verbandes Deutscher Nachbarschaftsheime

In dieser Sammlung sind die Pressemitteilung, Presseberichte verschiedener Zeitungen, sowie die Tagesordnung der Konferenz der Nachbarschaftsheime vom 15. bis 21. September 1951 im Mittelhof, Berlin, zusammengetragen.


Foto (links): Skizze der Kolleg:innen während der Verbandsgründung, 1951 
(Quelle: Mittelhof e.V.)

Zur Sammlung: Verbandsgründung