Gründungsboom der Nachbarschaftsheime 



Die Entstehung der ersten Nachbarschaftsheime im Nachkriegsdeutschland war eine kraftvolle, zivilgesellschaftliche Antwort auf eine zerstörte Gesellschaft, die nach Zusammenhalt, Unterstützung und neuer Orientierung suchte. Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen trugen zum Aufbau der Häuser bei: aus der Opposition gegen den Nationalsozialismus, aus der sozialreformerischen Tradition der Weimarer Republik, aus kirchlicher und ethisch orientierter Sozialarbeit. Hinzu kamen Rückkehrer:innen aus dem Exil, die in England oder den USA Methoden wie Einzelhilfe, soziale Gruppenarbeit und gemeinwesenorientierte Arbeit kennengelernt hatten.

Zwischen 1947 und 1951 setzte in Westdeutschland und West-Berlin eine erste große Gründungswelle ein. Auf Initiative der Quäker unter dem Dach des American Friends Service Committee (AFSC) entstanden zahlreiche Häuser in den westlichen Besatzungszonen. In Berlin engagierten sich neben den Quäkern in Nikolassee, auch die Mennoniten in Kreuzberg sowie der Christliche Verein Junger Frauen (YWCA) in Neukölln, mit eigenen Einrichtungen. 


The success of these projects convinced the Public Health and Welfare staff in Berlin 
that Neighborhood Centers were a very useful social instrument for bringing 
the people in the various districts together in a more friendly relationship
Wilmer Froistad (Chef der Wohlfahrtsabteilung der Militärregierung im amerikanischen Sektor Berlin), 1951



Auch deutsche Gruppen aus dem Bereich der sozialen Arbeit spielten eine tragende Rolle. Freunde und ehemalige Schüler Friedrich Siegmund Schultzes waren aktiv am Aufbau von Häusern beteiligt. Persönlichkeiten wie Elisabeth Abegg wirkten weniger als formale Gründerinnen, sondern vielmehr als moralische Autoritäten und wichtige Netzwerkerinnen. Ihr Engagement verlieh den frühen Initiativen Glaubwürdigkeit – sowohl gegenüber den Besatzungsbehörden als auch innerhalb der deutschen Gesellschaft. Rückkehrerinnen aus dem englischen Exil wie Magda Kelber und Ellen Simon brachten zudem Erfahrungen aus der angelsächsischen Settlement-Bewegung mit und verbanden soziale Arbeit mit einem offenen, undogmatischen Demokratieverständnis.

Die sowjetisch besetzten Gebiete blieben aufgrund der Vorbehalte der dortigen Militäradministration von den Gründungen ausgenommen. Stattdessen entwickelten sich später sozialistische Programme nachbarschaftlicher Organisation. Der AFSC unterstützte in den Nachkriegsjahren über die Volkssolidarität die dortige Bevölkerung mit Hilfsgütern und Lebensmitteln. Diese kamen bis zum Mauerbau 1961 vor allem unterernährten Kindern zugute.


Ein Scan eine historischen Zeitungsartikels mit einem schwarzweiß Fotos eines Nachbarschaftsheim in der rechten Ecke.


Berlin's Neighhorhood Centers

In diesem original Text von Wilmer Froistad, Chef der Wohlfahrtsabteilung der Militärregierung im amerikanischen Sektor Berlin, beschreibt er im Januar 1951 den Erfolg der Berliner Nachbarschaftsheime als ein soziales Instrument Menschen in schwierigen Zeiten zusammen-zubringen. Dazu schreibt er:

„The Neighboorhood Centers have developed through their work a group of loyal supportes who are convinced that bringing the various programs for youth, aged and childeren together under one roof promotes heathly community life.“


Zum vollständigen Text 


Foto (links): Scan des original Textes (Quelle: Mittelhof e.V.)