Praxis und Theorie in den Häusern 


Stummfilm mit Zwischentiteln: Das Quäker Nachbarschafsheim Köln. Gedreht in der Woche vom 07.-14.04.1957. Quelle: VskA Archiv)



Während der Verband die Häuser in dieser Zeit vor allem bei den Themen Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit unterstützte und sie auf internationaler Ebene vertrat, beschäftigte die Heime selbst die veränderten Bedürfnisse der Menschen und die Erarbeitung und Umsetzung neuer Methoden.

Mit der wirtschaftlichen Stabilisierung der Bundesrepublik standen Unterstützungsformen wie Nähstuben und Schusterwerkstätten in den Heimen nicht mehr im Vordergrund.

Der Mitarbeiter, der von 1947 bis 1950 mit Einzelfällen oder mit der Verteilung von Sachspenden beschäftigt war merkte, dass sich dies verminderte, weil diese Arbeit mehr und mehr von örtlichen Stellen übernommen werden konnte.“

Collins, 1955, S. 7

Gleichzeitig gewann die Gruppenarbeit als Methode, insbesondere mit Jugendlichen an Bedeutung. Mit ihr wurden demokratische Grundhaltungen, Mitbestimmung und Verantwortungsübernahme eingeübt. Es ging darum, freies Denken und gemeinschaftliches Handeln frühzeitig zu fördern. Viele Nachbarschaftsheime reagierten außerdem auf die Bedürfnisse von Vertriebenen und Geflüchteten, die Unterstützung, Orientierung und soziale Einbindung suchten. 


Foto: Täglicher Mittagstisch im großen Saal, 1960 im Nachbarschaftshaus Urbanstraße, Berlin-Kreuzberg 
(Quelle: Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.)


Ein Scan eine historischen Zeitungsartikels mit einem schwarzweiß Fotos eines Nachbarschaftsheim in der rechten Ecke.


Geschichte des Mittelhofs

In diesem Originaltext beschreibt Betty Collins im Januar 1955, wie sich die Arbeit in den Häusern, speziell im Mittelhof, Berlin-Zehlendorf in den frühen 1950er Jahren veränderte. So beschreibt sie zum Beispiel über die Kinderarbeit:

„Die Veraenderungen in der Kinderarbeit laufen Hand in Hand mit der allgemeinen Entwicklung unserer Arbeit. Am Anfang hatten wir kein spezielles Kinderprogramm geplant. Jedoch machte sich bald das Beduerfnis fuer einen Sonderkindergarten fuer unterernaehrte Kinder bemerkbar und wir wurden vom Bezirk um seine Einrichtung gebeten. [...] In 1952 bildete sich auf Wunsch der Kinder ein Kinderrat. Es diskutiert ernsthaft und vernuenftig Probleme wie etwas Hilfe fuer Opfer der Flut [...].“

Foto (links): Scan des original Textes (Quelle: Mittelhof e.V.) 

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