Das weltweite Netzwerk
In Folge der weltweiten Ausbreitung von Settlement-Projekten wurde 1926 in London die International Federation of Settlement Houses and Neighborhood Centers (IFS) gegründet, der die Idee von sozialer Gemeinschaft und Nachbarschaftsarbeit weltweit zugrunde liegt. Sie verfolgt das Ziel, soziale Spaltung zu verringern und die gesellschaftliche Zusammenarbeit zu fördern. Die erste Internationale Settlement-Konferenz 1926 in Paris war mit 500 Delegierten aus 14 Ländern ein großer Erfolg. Das Leitthema waren die Methoden der Settlements zur Förderung sozialer Versöhnung. Die IFS besteht bis heute und feierte kürzlich ihr 100-jähriges Bestehen.
Eindrücke von der Konferenz zum 100-jährigen Jubiläum des IFS im November 2025 in London und Liverpool © VskA e.V.
Die internationale Vernetzung förderte die Verbreitung und Konsolidierung der Settlement-Prinzipien wie Gemeinwesenarbeit und soziale Integration weltweit und ermöglichte einen Austausch von Erfahrungen. Zugleich spiegelten die Diskussionen die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zwischenkriegszeit wider. Im Juni 1932 tagten die IFS-Delegationen bereits zum vierten Mal, diesmal in Berlin. Zu den Teilnehmer:innen gehörten bedeutende Vertreter:innen der internationalen Settlement-Bewegung, darunter Jane Addams, Elisabeth von Harnack, Friedrich Siegmund-Schultze und Wenzel Holek. Zentrales Thema der Tagung war die zunehmende politische Radikalisierung.

Beschreibung der rechten politischen Radikalisierung von Friedrich Siegmund-Schultze und Wenzel Holek während der IFS Konferenz 1932:
„Auf der Rechten sind es die National-Sozialisten, deren zwitterhaftes Werben ihren Erfolg begünstigt. So bekommen sie auf der einen Seite Unterstützung von den Unternehmern, die sich, dadurch erhoffen ihre Autorität wiederherzustellen, die in dem Maße zurückgegangen, wie wir ihr Umsatz gesunken ist. Auf der anderen Seite finden sich bei ihnen alle – ruinierte Bürgerliche, entmachtetet Fürsten- die ihre ehemaligen Privilegien vermissen, aber auch Angestellte. Studierende bis hin zu jenen ‚anarchistischen und verzweifelten Elemente der Straße‘, wie Professor Siegmund-Schultze den verkommensten Typ der Unzufriedenen charakterisiert.“


