Was Nachbarschaftsarbeit ausmacht: 

- gemeinsam Erinnerungskultur gestalten 

Zweitzeugen Ferienprojekt (c) Quäker Nachbarschaftsheim e.V.

Das sozial-kulturelle Zentrum Quäker Nachbarschaftsheim e. V. ist ein städtisch und landesweit anerkanntes Bürgerzentrum sowie anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Es wurde bereits 1947 gegründet und ist mit seinen sozialen und pädagogischen Angeboten für alle Generationen fest in der Kölner Innenstadt verwurzelt. Für die Nachbarschaft sind wir Begegnungsstätte, für Kinder, Jugendliche und Senior*innen ein zweites Zuhause – die Bedürfnisse unserer Besucher*innen sowie gesellschaftliche Strömungen und Problemlagen sind Ausgangspunkt unserer Arbeit. Wir bemühen uns, Menschen unterschiedlicher Generationen, Religionen und Nationalitäten zu gegenseitiger Wertschätzung und zu gemeinsamem Tun zu bewegen.

Ein Baustein unserer Arbeit ist Erinnerungskultur. Seit einigen Jahren initiieren wir vermehrt Präventionsprojekte um dem erstarkenden Antisemitismus entgegen zu treten. In den Sommerferien 2023 fand in Zusammenarbeit mit ZWEITZEUGEN e.V. ein Peer-to-Peer-Projekt statt, bei dem 25 junge Menschen zwischen 10 bis 14 Jahren aktiv Erinnerungskultur gestaltet haben. Ihre Form des Erinnerns wurde abschließend in einer Vernissage allen Besucher*innen des Bürgerzentrums nahegebracht. 

Eine Woche lang beschäftigten die Kinder und Jugendlichen der Offenen Tür sich mit der Überlebensgeschichte der Zeitzeugin Chava Wolf und setzten sich auch inhaltlich und emotional mit dem Holocaust und dem Nationalsozialismus auseinander. Während der Projektwoche fanden die Teilnehmenden auf verschiedene Art und Weise durch die Workshopleiterin des Vereins ZWEITZEUGEN Zugang zu der Überlebensgeschichte, zum Beispiel durch originale Interviewausschnitte und Bilder. Ebenso vielfältig waren die Bestrebungen der Teilnehmenden, an das Leben von Chava Wolf zu erinnern: durch die Gestaltung eigener Kunstwerke auf Leinwand oder durch Audiobeiträge, die in einem professionellen Podcast-Studio aufgenommen wurden. Außerdem wurden die jungen Kölner*innen an einem Tag von einer Schauspielerin in einem Sprech- und Präsentationstraining gecoacht, um das Publikum bei der Abschlussveranstaltung durch die Vernissage führen zu können.

Zweitzeugen Ferienprojekt (c) Quäker Nachbarschaftsheim e.V.

Die Kinder und Jugendlichen konnten sich in dieser Projektwoche intensiv und durch einen individuell gewählten Zugang diesem schwierigen Thema nähern. Sie erfuhren Beteiligung, konnten sich kreativ entfalten und wurden selbst angehört. Bei der abschließenden Vernissage führten die Teilnehmenden ihre Familienmitglieder wie auch die Besucher*innen des Bürgerzentrums durch die Ausstellung und das Leben von Chava Wolf und teilten ihnen mit, was sie an Chavas Geschichte besonders berührt hat. „Anderen Leute von der Geschichte erzählen, am besten der ganzen Welt, damit sie erfahren, was damals passiert ist“ – das ist das Fazit, was eine Teilnehmerin nach der Projektwoche zieht. 

Die Erinnerungskultur spielt eine entscheidende Rolle in unserer Gesellschaft, da sie dazu beiträgt, die Vergangenheit lebendig zu halten und aus ihr zu lernen. Darüber hinaus schafft sie eine Verbindung zwischen den Generationen, indem sie das Wissen und die Erfahrungen der älteren Generationen an die jüngeren weitergibt. Durch den Austausch von Geschichten und Erinnerungen können junge Menschen von den Erfahrungen der Zeitzeugen lernen, an diesen Geschichten anknüpfen und so ein tieferes Verständnis für ihre eigene Identität und Geschichte entwickeln. Die Erinnerungskultur ist somit ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts und trägt dazu bei, dass wir als Gesellschaft gemeinsam wachsen und uns weiterentwickeln können.


Autorin: Louisa Beckmann (Sozialarbeiterin), Leitung Offene Tür für Kinder und Jugendliche 

Organisation: Quäker Nachbarschaftsheim e. V., Kreutzerstr. 5-9, 50672 Köln

www.quaeker-nbh.de